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Künstler müssen eines: wissen, von wem sie Geld bekommen können. Und es von demjenigen fordern. Schnell sein. Mischkalkulationen anstellen. Solidarisch sein. Materialistisch sein. Und nicht: Geisterdebatten führen.

SWR2 – Aufschrei der Urheber

Diskussion von:

  • Christian Hufgard, Urheberrechtsexperte der Piratenpartei
  • Dr. Till Kreutzer, Rechtsanwalt, Redakteur bei irights.info
  • Pim G. Richter, Verband Deutscher Drehbuchautoren

Und wenn ich eine englischsprachige TV-Serie oder einen Film wegen bekloppter und überholter Regionsabkommen nicht legal bekomme, dann dauert es trotzdem keine halbe Stunde, bis ich ihn habe, und DAS, liebe Industrie und liebe Leistungsschutzrecht-Journalisten, ist nichts anderes als völlig grandios und daraus wäre ein so unfassbar großes Geschäft zu machen, denn nicht nur ich würde dafür bezahlen (und tue das an den Stellen, an denen es möglich ist bereits), wenn ich diese dämlichen Halb-Porno- und Abzocker-Werbungen auf bestimmten Suchportalen nicht mehr ertragen müsste. Ich WILL den Urhebern und Produzenten der Inhalte, die ich mag, mein Geld geben, denn sie haben es verdient.

Und dann würde ich mir erneut meine gesammelte Lebenserfahrung nochmal angucken und dabei relativ schnell feststellen, daß ich mit vielen Leuten, Firmen und Instanzen zu tun hatte, einige waren cool, andere uncool, aber nur die große Musikindustrie hat Verhaltensweisen an den Tag gelegt, wie ich sie eher von einem betrunkenen Dreijährigen erwarten würde. Menschen verhalten sich meistens ähnlich, nämlich menschlich, also ungefähr so wie ich. Firmen verhalten sich jedoch gern auch mal wie Psychopathen. Ich habe also den leisen Verdacht, daß es für Kunst und Kultur gut sein könnte, wenn einige Dinge sich ganz vorsichtig ein wenig in die Richtung verschieben, wie sie von Netzaktivisten gefordert wird – kürzere Fristen, mehr Freiheiten.

Wir sollen also die Finger von den Schutzfristen lassen. Oh bitte, es bluten einem die Ohren bei diesem ewiggestrigen Singsang, den wir uns seit Jahren anhören müssen, während alle paar Jahre die Fristen verlängert werden. Wir sind jetzt bald bei einer Länge von einem Jahrhundert angekommen, und da bringt Ihr echt das Argument, man dürfe die Schutzfristen nicht anrühren? Wir glauben, es hackt. Das ist das Digitalzeitalter, Freunde, wir wissen nicht mal, wie wir digitale Daten ein ganzes Jahrhundert lang bewahren sollen. Die Archive und Bibliotheken haben noch nicht mal annähernd ein Konzept dafür. Und diese DRM-Grütze und der Mangel an offenen Formaten, das sind die Probleme, und beides hat einen Zusammenhang zu Schutzfristen. Nicht nur deswegen müssen sie radikal verkürzt werden, sondern auch, weil selbst Ihr auf den Schultern von Riesen steht, denen Ihr gefälligst Tribut zu zahlen habt.

Tatsächlich wird die Gesellschaft systematisch um Kultur gebracht und diejenigen, die darauf hinweisen, werden des Wunsches nach Enteignung bezichtet. Verkehrte Welt.

Ihre Erfolge im Ringen mit der Rechteindustrie stellen in Frage, ob die Bürger Europas wirklich derart machtlos gegenüber Wirtschaftsinteressen sind, wie derzeit unter Verweis auf die Banken immer wieder behauptet wird. Es gibt kein Gesetz, dass Demokratie-Domino an der Grenze von digitaler und analoger Welt enden muss.

Die frisch entflammte Liebe zur Transparenz ist das Ergebnis eines Kulturschocks. „Shitstorm“ nennen Blogger das, was in den zwei Wochen der Koalition um die Ohren flog. Das Wort wird sich zu merken sein.

Der Grund warum ACTA polarisiert, ist wohl der, dass eine wachsende Öffentlichkeit die fortschreitende Verschärfung des Rechts des geistigen Eigentums als Bedrohung empfindet und gerade erstmals auf Umstände aufmerksam wird, die es z.T. schon seit längerer Zeit gibt.

Wirklich von ihrer Kunst leben, da sollte man sich nichts vormachen, konnte schon vor dem Anbruch des Digitalen Zeitalters nur ein sehr überschaubarer Kreis von Leuten. Und die müssen sich auch künftig keine Sorgen machen.